Ab diesem Monat braust die MobilBonus-Lok für ein Jahr durchs ganze Land. Viele der Gesichter, die sie schmücken, waren beim Taufevent am Dienstag in Yverdon-les-Bains dabei – und strahlten trotz Regenwetter!
«Komisch. Wir hatten eigentlich Sonne bestellt.» Ein SBB-Mitarbeiter in knallorangener Warnweste zupfte seine Kapuze noch weiter in die Stirn. In strömendem Regen wartete er auf die ankommenden Gäste – alles Members, die am Dienstag nach Yverdon-les-Bains eingeladen wurden und extra angereist kamen, um die Taufe der MobilBonus-Lok zu erleben. Das dortige Industriewerk ist der Entstehungsort des Gefährts und der heutige Event eine echte Premiere: Noch nie wurde eine Lokomotive an diesem Ort getauft.
Doch zurück zum Anfang: Die feierliche Taufe der Lok ist der Abschluss einer mehrmonatigen Kampagne der SBB. Zu Beginn wurden etwa Plakate mit Fotos von MobilBonus-Members gestaltet und ein Buch mit Member-Geschichten herausgegeben. Zuletzt hatten Members mit einem GA oder einem Halbtax und die sich auf sbb.ch/mobilbonus.ch einen Platz gesichert hatten, die Chance, das eigene Bild quer durch die Schweiz brausen zu lassen: Auf der bedruckten MobilBonus-Lok, die nun getauft werden sollte.
Bevor die Gäste aber ihr Foto auf der Lok suchen konnten, wurden Sie durchs Werk geführt. Mit Schutzbrillen und Warnwesten ausgerüstet, wanderten sie durch die Hallen der schweren Maschinen hindurch, von denen gerade Öl und Dreck gekratzt wurde, spazierten durch einen alten Zug, auf dessen Fenster man in den Staub Blumen und Fratzen gemalt hatte, und der innen erstaunlich dreckig aussah, weil die Sitze schon herausgenommen wurden und den Boden freilegten. Die Gäste staunten auch über einen frisch lackierten ICN, die «weisse Schlange», wie ihn Vincent Robert, der Produktionsleiter und Guide dieser Führung, nannte. Hilflos hing der Schnellzug über den Schienen, er wird gerade wieder auf Vordermann gebracht. Robert nannte Längen, Geschwindigkeitsangaben, Seriennummern – die Kenner unter den Gästen nickten wissend, die anderen einfach nur beeindruckt.
Nach der Führung gings ins warme Festzelt, wo es schon nach Raclette roch und man die anderen Members einmal kennenlernen konnte. Nach einer kurzen Rede von SBB-Sprecher Stefan Pfuhl war der Moment gekommen, weshalb die Gäste angereist waren: Die bedruckte Lok wurde mit Lichteffekten und heroischer Musik aus der Halle auf die Drehweiche verlegt und präsentiert. Viele Gäste strömten trotz Regen hinaus und bestaunten das Fahrzeug als Ganzes und ganz besonders ihr eigenes Porträtbild. Noch bevor die Lokomotive mit Champagner feierlich getauft wurde, waren die ersten Gäste nass. Aber das machte nichts, der Moment liess das schlechte Wetter vergessen.
Eine Frau fiel besonders durch ihr freudestrahlendes Gesicht auf: Sylvia Hottinger (64). Verschmitzt blickte sie unter ihrer roten Brille hervor und sagte, was man ihr auf den ersten Blick sowieso schon ansah: «Ich bin begeistert. Ich geniesse den Event richtig.» Und weiter: «Das wir von MobilBonus eingeladen wurden, ist eine tolle Geste. Die Lok-Taufe war einmalig. Wie ein kleines Kind freute ich mich darauf!» Auch die Führung durch das Werk habe sie tief beeindruckt: «Ich schaue den Zug jetzt anders an, wenn ich einsteige. Jetzt erst ist mir bewusst, wie er funktioniert!» Hottinger ist extra aus dem Toggenburg (SG) angereist. Sie habe schon um 10 Uhr morgens das Haus verlassen. Sie beisst beherzt in ihr Brot mit Raclettekäse und meint: «Und was Sie unbedingt noch schreiben müssen: Ich habe es sehr geschätzt, einmal in der ersten Klasse zu fahren. Das gönne ich mir sonst nicht. Das war das i-Tüpfelchen bei der Einladung.»
Auch Gast Urs Hunziker (50) aus Oberdorf (SO) war guter Dinge. Die Führung sei engagiert gewesen, man merke, dass die Redner ihren Job mit Leidenschaft machten: «Sie sind Feuer und Flamme.» Der Lehrer hat extra Stunden vorgeholt, um heute dabei sein zu können. Das Schmuddelwetter an seinem freien Nachmittag störte ihn nicht. Im Gegenteil: «Ich fotografiere gerne. Der Zug, der Regen – die Stimmung war ganz speziell.» Und Cyrill Zemp (21) am Nachbarstisch konnte es gar nicht richtig fassen. Immer wieder schaute er aus dem Festzelt auf die Lok. Dann zeigte er auf ein Porträtbild über dem «N»: «Mein Bild ist das Grosse dort hinten. Es ist fast ein bisschen zu gross geworden!» Er blickt zu seiner Begleitung. Beide lachen. Er habe seine Freunde zwar motiviert bei der Aktion mitzumachen, damit sein Bild gross gedruckt werde. Aber das Ergebnis überrasche ihn nun doch. «Ich freue mich aber natürlich riesig über das grosse Bild!» Die Pendler Luzi Bruder (20) und Remo Hiltbrunner (28) beschrieben das Gefühl zu wissen, dass ihr Foto nun durch die ganze Schweiz brausen wird, als «echt witzig». Eigentlich glaubten die beiden anfangs an einen blossen Werbegag. Dass sie damit falsch lagen und ihr Bild tatsächlich auf der Lok zu sehen ist, freut sie sehr. Es wird nun ein ganzes Jahr lang auf dem Schienennetz unterwegs sein. Ob es die beiden Ihr Porträtbild einmal zufällig antreffen werden?